Partnergemeinden in Thüringen

Unsere Partnergemeinden in Thüringen sind im Kirchenbezirk Meiningen:

die Orte Friedelshausen, Hümpfershausen und Schwarzbach.

Partnerschaftsreise: 63 Jahre gelebte christliche Partnerschaft; 20.-22. Oktober 2017

Kinder- und Jugendchor Rohr vor dem Schloss Sinnershausen/Thüringen

© M.Püngel

Pfr. Rumpf und Pfr. Lemberg

© privat

Pfr. Rumpf und Pfr. Lemberg

Berggottesdienst

© privat

Berggottesdienst

63 Jahre gelebte christliche Partnerschaft

Erste Kontakte unserer Kirchengemeinde nach Thüringen wurden wohl im Herbst 1954 beim einem Besuch der damaligen Gemeindehelferin Charlotte Göhner in Friedelshausen geknüpft. Ein erster Gegenbesuch durch Pfarrer Walter Saft und dessen Ehefrau in Rohr erfolgte im September 1955. Durch Pfarrer Saft, so wurde protokolliert, „...ist das Band zur „Patengemeinde“ erneut befestigt und haben wir wertvolle Einblicke bekommen in das Leben in der DDR.

“Der Begriff „Patengemeinde“ war lange Jahre ein Ausdruck dessen, wie man sich den Glaubensbrüdern- und Schwestern über Mauer und Stacheldraht hinweg eng verbunden fühlte. Der steigende Wohlstand im Westen machte es möglich, die Patengemeinden im Osten Deutschlands mit Geld- und Sachspenden zu unterstützen. So konnte man die kirchenfeindlichen Repressionen der SED-Regierung zumindest abmildern. Pfarrer Saft wurden bei seinem Erstbesuch in der Mangelwirtschaft der DDR nicht verfügbare Medikamente für die Patengemeinde mit auf den Weg gegeben. Zudem wurde ihm eine Garnitur Motorradkleidung zugesagt, schließlich musste er ja die auch zum Kirchspiel Friedelshausen gehörenden Kirchengemeinden Hümpfershausen und Schwarzbach mitbetreuen.
In den Folgejahren gab es regelmäßige Hilfslieferungen von West nach Ost, zum Beispiel dringend benötigtes Baumaterial für den Erhalt der Kirchengebäude, Ersatzteile für Dienstwagen der Gemeindepfarrer, technische Geräte wie „Vervielfältigungsapparat“ und in den Anfangsjahren ganz wichtig auf privater Ebene so manches Weihnachtspaket.
Mit dem dann langsam steigenden Lebensstandard in der DDR entwickelten sich auch die Beziehungen weiter. Die Zeit von Hilfen des täglichen Bedarfs war vorbei und materielle Hilfe konzentrierte sich nun auf die spezifischen Bedürfnisse des kirchlichen Lebens. Seit Mitte der 70er Jahre ersetzte der Begriff „Partnergemeinde“ die bisherige Bezeichnung „Patengemeinde“. So wurde deutlich, dass es um ein partnerschaftliches Geben und Nehmen auf Augenhöhe geht und eben nicht um einseitige Almosen.Ab Mitte der 70er Jahre erblühte die Partnerschaft dank des außergewöhnlichen Engagements damaliger Kirchengemeinderäte, insbesonders von Magdalene Eicken, die gemeinsam mit ihrem Ehemann viele Projekte anschob. Zahlreiche Einzelpersonen und Gemeindegruppen aus Rohr besuchten Friedelshausen, Hümpfershausen und Schwarzbach. Besonderen Eindruck hinterließen dabei die Konzertauftritte des Rohrer Posaunenchores. Leider waren wegen der restriktiven Grenzpolitik der DDR nur vereinzelt Gegenbesuche von Ost nach West möglich.
Doch dann kam für alle überraschend die politische Wende. Zur Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989 haben gerade auch die Kirchen in der DDR im Verbund mit Friedens- und Menschenrechtsaktivisten einen wichtigen Beitrag erbracht.
Und erstmals konnte endlich auch eine Gruppe aus unserer Partnergemeinde nach Rohr reisen. Am 20. Oktober 1990 kamen sie an, insgesamt 99 Personen in zwei Reisebussen. Das ist bei insgesamt ca. 800 Evangelischen Gemeindegliedern schon eine beachtliche Quote! Doch es fanden sich in Rohr ausreichend viele Gastgeber, so dass alle privat gut untergebracht waren.Man konnte einander in die Arme fallen, einander erzählen, mit Freude Gottesdienst feiern und Stuttgart erkunden. Man wanderte auf Vorschlag von Kirchengemeinderätin Ulrike Schlüter gemeinsam auf den Birkenkopf und pflanzte auf der Ostseite der Laurentiuskirche eine Lärche aus dem Bergwald der Rhön.
Seit 1991 kommt nun jedes Jahr eine De-legation aus einem der Dörfer der Partnergemeinde zum Rohrer Gemeindefest im September. Im Gepäck hunderte frischer echter Thüringer Rostbratwürste die meist im nu ausverkauft sind.

27 Jahre deutsche Einheit waren auch 27 Jahre gelebte kirchliche Partnerschaft. Partnerschaftsbeauftragter war aus Rohr bis 2008 Günther Heselschwerdt. Seitdem hat Uwe Sautter dieses Amt inne und pflegt gemeinsam mit seiner Ehefrau Karin viele Kontakte auch durch regelmäßige Besuche. Belebend für die Partnerschaft waren 2009 eine Konzertreise unseres Posaunenchores unter Leitung von Stefan Lipka, der Besuch unserer Kirchengemeinderäte in Friedelshausen beim Gemeindefest im Juni 2010 und im Jahr darauf der Gegenbesuch von Gemeindekirchenräten bei uns in Stuttgart.
Besondere Highlights waren dann die Freizeiten des Rohrer Kinder- und Jugendchores in Thüringen. 2011 unter Leitung von Claudia Püngel, 2014 und 2016 dann unter der Leitung von Michael Püngel. Am Ende einer erlebnisreichen Freizeitwoche, untergebracht im Schloss Sinnershausen, folgte jeweils die Aufführung des aktuellen Musicals. Dafür wurde die Feuerwehrhalle in Hümpfershausen zum Konzertsaal umfunktioniert.
Die große Resonanz und Anerkennung bei diesen Auftritten ist sicher ein Grund dafür, dass die nächste Freizeit des Kinder- und Jugendchores für die Herbstferien 2018 bereits fest gebucht ist. (Termin vormerken: 29.10.–2.11.2018).
Was bleibt noch zu sagen? Wir freuen uns über das Miteinander unserer Gemeinden, über (mindestens) 63 Jahre herzliche Verbundenheit und danken all denen sehr, die diese Partnerschaft gefördert, bereichert und vorangebracht haben.

Im Namen unserer Kirchengemeinde Rohr-Dürrlewang nach Thüringen ein herzliches Danke!
Dank allen früher und jetzt aktiven Gemeindekirchenräten, Dank besonders dem Friedelshausener Pfarrer Klaus Lemberg, der die Partnerschaft bis zu seinem Ruhestand im August 2015 immer intensiv gepflegt hat.
Und Dank ebenso dem Nachfolger Pfarrer Donald Molin, der so engagiert und mit neuen Ideen in die Partnerschaft eingestiegen ist.
Pfarrer Thomas Rumpf

Pfarrer Molin, der neue Pfarrer in Friedelshausen

Superintendentin Marwede, Pfr. Molin und Vertreter der Kirchengemeinden vor der Oepfershäuser Kirche

Superintendentin Marwede, Pfr. Molin und Vertreter der Kirchengemeinden vor der Oepfershäuser Kirche

Pfarrer Donald Molin wurde am 4. Oktober 2015 als neuer Pfarrer unserer Partnergemeinde in Thüringen in sein Amt eingeführt.
Er ist nun allein für die bisher von Klaus und Christiane Lemberg betreuten Pfarrbereiche
Friedelshausen/ Hümpfershausen/ Schwarzbach und Oepfershausen/ Kaltenlengsfeld zuständig.
Seine Frau Birgit Molin ist ebenfalls Pfarrerin und hat die benachbarte Pfarrstelle
Unterkatz übernommen.
Gemeinsam mit dem 7jährigen Sohn Adrian wohnt das Ehepaar in Friedelshausen. Pfarrer Molin ist 52 Jahre jung. Er ist gelernter Agrotechniker und studierte dann Theologie im traditionsreichen Augustinerkloster in Erfurt und später in Berlin. Seit 1996 ist der Motorradfan als Gemeindepfarrer tätig.
In seiner Vorstellung sagte Pfarrer Molin: „Jetzt sind wir hier und versuchen mit vielen neuen und spannenden Aufgaben klar zu kommen. … Das wirklich Bewegende am Neuanfang aber sind die Menschen hier. Uns allen wurde ein herzlicher Empfang zuteil. Viele helfende Hände beim Umzug, offene Ohren bei Nachfragen ….. Wir schauen auf die Umgebung und sehen hier ein Lebensumfeld, welches zu dem Ausspruch verleitet: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“

Pfarrer Molin steht der Gemeindepartnerschaft sehr aufgeschlossen gegenüber.
Zum Gemeindefest in Rohr wird selbstverständlich wieder eine Grillmannschaft mit original Thüringer Würsten anreisen. Und für die Herbstferien 2016 ist eine Freizeit unseres Kinder- und Jugendchores in Thüringen mit Musical-Aufführung geplant.

Wir wünschen Pfarrer Molin für sein neues Amt Gottes Segen und Geleit und freuen uns auf die nächsten Schritte in der Partnerschaft.

Pfarrer Thomas Rumpf